Start Ausstellungen Vorträge und Workshops Stream Party Raumplan Call for Participation Presse RSS-Feed Impressum Archiv
English Version

Kurztagung "Kids and Codes. Programmierenlernen Gestern und Heute"

2017 wird die Programmiersprache LOGO 50 Jahre alt. Dies ist dem Vintage Computing Festival Berlin (VCFB) Anlass genug, auf der alljährlichen Kurztagung das Thema Kinder und Programmierenlernen zu diskutieren. Kindern das Programmieren beizubringen ist ein Ziel der Informatik und Informatikdidaktik, nicht erst seit Mikrocomputer in den 1970er-Jahren die Privathaushalte erobert haben. Neben den institutionellen Bemühungen haben sich allerdings zeitgleich auch private Initiativen und (Auto-)Didaktiken des Programmierenlernens entwickelt. Auf der Kurztagung "Kids and Codes" im Rahmen des vierten VCFB stellen sechs Referenten die Vergangenheit und Gegenwart dieses Themas vor. Von der kybernetischen Pädagogik zum modernen Informatik-Unterricht, vom selbst gelöteten NDR-Klein-Computer zum Calliope-Minirechner im Schulranzen. Hören Sie von damaligen und heutigen Forschern, Lehrern und Hackern, wie und warum Kinder programmieren lernen und diskutieren Sie mit!

Die Tagung wird organisiert und moderiert von Michael Rücker (HU Berlin, Informatik) und Dr. Stefan Höltgen (HU Berlin, Medienwissenschaft) und unterstützt vom Verein zum Erhalt klasisscher Computer e.V.

Zeit: Sonntag, 8. Oktober 2017, 10:15 - 17:30 Uhr
Ort: Deutsches Technikmuseum, Historische Ladestraße, Zugang über Möckernstr. 26, 10963 Berlin (Rückseite der "Netze"-Ausstellung)

Programm

Sonntag, 8. Oktober
UhrzeitVorträge
10:15 - 10:30Begrüßung
Dr. Stefan Höltgen (Berlin)
10:30 - 11:30Informatik im Alltag: Wo und wie Schülerinnen und Schüler sie entdecken
Michael Rücker (Berlin)
11:30 - 12:30Programmiersprachendebatten in den 1970ern: Was ist von ELAN geblieben?
Prof. Dr. Stefan Jähnichen (Berlin)
12:30 - 13:30Spannende Ideen zum Einstieg in die digitale Welt für Kinder und Jugendliche aus dem Informatik-Schülerlabor InfoSphere
Dr. Nadine Bergner (Aachen)
13:30 - 14:30Mittagspause
14:30 - 15:30Notizen zur Geschichte der Kybernetischen Pädagogik
Prof. Dr. Klaus Weltner (Frankfurt am Main)
15:30 - 16:30Turtle Forward 2017. Programmieren für Kinder leicht gemacht
Thomas Schmidt und Jutta Schneider (Berlin)
16:30 - 17:30Didaktische Konzepte und Entwicklungen vom "NDR-Klein-Computer" aus der Anfangszeit der Mikrocomputer-Didaktik
Rolf-Dieter Klein (München)

Informatik im Alltag: Wo und wie Schülerinnen und Schüler sie entdecken

Informatik durchdringt mittlerweile alle Lebensbereiche: ob Arbeit oder Freizeit, Forschung oder Wirtschaft, Nahverkehr oder Raumfahrt. Wir können uns dem Kontakt mit digitalen Daten und Programmen nicht mehr entziehen. Sie bestimmen unser Leben. Ein zentrales Ziel des schulischen Informatikunterrichts ist es daher, Schülerinnen und Schüler dazu zu befähigen, diese gesellschaftliche Durchdringung zu verstehen und zu bewerten. Eine notwendige Voraussetzung dafür ist jedoch, die Vielfalt der Informatik im Alltag zunächst überhaupt zu entdecken. Angesichts der Tatsache, dass nahezu alle informationstechnischen Systeme heutzutage eingebettet und somit gar nicht direkt sichtbar sind, ist das Entdecken von Informatik und Programmierung im Alltag keine triviale Aufgabe. Der Vortrag wird das Thema "Informatik im Alltag" aus verschiedenen Perspektiven beleuchten. Aus fachlicher Sicht soll zunächst ein kurzer Einblick darin verschafft werden, wo Informatik und Programmierung mittlerweile überall eine Rolle spielen. Anschließend werden die Ergebnisse einer qualitativen Interviewstudie vorgestellt, die untersuchte, wie und wo Schülerinnen und Schüler diese Dinge überhaupt wahrnehmen. Ist mein Toaster eigentlich programmiert? Ist meine Waschmaschine informatisch? Die Antworten, die Lernende auf diese Fragen geben, sind sehr unterschiedlich und aus didaktischer Sicht hochinteressant. So wird im letzten Teil des Vortrags ein kurzer Ausblick gegeben, wie dieses Thema sinnvoll in den Informatikunterricht eingebettet werden könnte. Michael Rücker (Berlin)


Programmiersprachendebatten in den 1970ern: Was ist von ELAN geblieben?

Der Vortrag beschreibt die Entwicklung einzelner Konzepte von Programmiersprachen und geht dabei von der Sprache ELAN aus. ELAN wurde mit einem didaktischen Hintergrund definiert, die Konzepte wurden aber im Laufe der Jahre in vielen anderen Sprachen weiterentwickelt. Insbesondere das Konzept abstrakter Datenstrukturen finden wir in den heutigen objektorientierten Sprachen und Konzepten und auch moderne Entwicklungstechniken für Software nutzen diese Konzepte für die systematische Entwicklung großer Softwaresysteme. Der Autor beschreibt Entwicklungen aus seiner fachlichen Umgebung und versucht auch einen Ausblick in zukünftige Entwicklungen. Prof. Dr. Stefan Jähnichen (Berlin)


Spannende Ideen zum Einstieg in die digitale Welt für Kinder und Jugendliche aus dem Informatik-Schülerlabor InfoSphere

Einstieg in die Informatik – möglichst früh oder doch lieber später? In der Schule oder besser außerhalb? Mit Informatiksystem oder Papier und Buntstift? Welche Kompetenzen stehen im Fokus? Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, mit Kindern und Jugendlichen den Einstieg in die Welt der Informatik zu gestalten. Im Rahmen dieses Vortrags werden verschiedene Konzepte präsentiert, wie informatische Kompetenzen und dabei insbesondere ein Einstieg in die Programmierung in wenigen Stunden oder auch über ein ganzes Schulhalbjahr vermittelt werden können. Im Rahmen des Schülerlabors Informatik InfoSphere an der RWTH Aachen wurden dazu zahlreiche Materialien entwickelt, erprobt und evaluiert. Diese stehen als Open Educational Resources allen Interessierten zur Verfügung. Das Spektrum umfassen Materialien für Kinder im Grundschulalter ebenso wie für Programmierneulinge an weiterführenden Schulen. Auch Angebote für Kinder mit ihren Eltern oder Großeltern sind dabei. Neben dem außerschulischen Angebot im InfoSphere stehen Lehrkräften aller Schulformen (Online-)Fortbildungen und Materialpakete zur Verfügung, um den Programmiereinstieg gemeinsam mit ihren Schülerinnen und Schülern im eigenen Unterricht zu beschreiten. Aktuell steht die informatische Bildung an Grundschulen im Fokus und es werden vielseitige Erfahrungen aus den Perspektiven der Kinder, ihrer Lehrkräfte und auch Eltern gesammelt. Dieser Vortrag berichtet von Erfahrungen, präsentiert Werkzeuge, stellt frei verfügbare Materialien vor und motiviert (hoffentlich) dazu, sich selbst auf den spannenden Weg des Programmierenlernens mit Kindern verschiedener Altersstufen zu machen. Dr. Nadine Bergner (Aachen)


Notizen zur Geschichte der Kybernetischen Pädagogik

Hier berichte ich aus eigenem Erleben und Mitwirken. Das betrifft sowohl die Theorie und Grundlagen, wie die Ergebnisse praktisch anwendbarer Produkte. Die Gründungsphase begann 1962 mit H. Franks Buch "Kybernetische Grundlagen der Pädagogik" und der Gründung des Institutes für Kybernetik an der PH Berlin. Franks Ziel war, die Pädagogik aus einem einheitlichen, kalkülisierbaren Ansatz auf der Grundlage der Informationstheorie heraus zu entwickeln. Sein Psychostrukturmodell, das gestützt auf experimentalpsychologische Befunde die Informationsverarbeitung beim Menschen darstellte, erlaubte wichtige Konsequenzen für die Lehre. In der folgenden Expansionsphase kam es zur Gründung des Institutes für Kybernetik an der PH Berlin, der Gesellschaft für programmierte Instruktion (GPI), dann des Bildungstechnologischen Zentrums in Wiesbaden und des Forschungs- und Entwicklungszentrums für objektivierte Lehr- und Lernverfahren (FEoLL) in Paderborn. In der Theorie kam es zu den Ansätzen einer algorithmisierten Zuordnungsdidaktik ALZUDI, einer w-t-Didaktik, der Messung der Information von Schriftsprache. In der Praxis kam es zur der Entwicklung zahlreicher Lehrprogramme sowie der Methodik der Leitprogramme. In der Schrumpfungsphase etwa ab 1974 wurden die Institute geschlossen. Gründe waren vor allem die Diskrepanz zwischen geweckten Erwartungen und praktischen Ergebnissen. Prof. Dr. Klaus Weltner (Frankfurt am Main)


Turtle Forward 2017. Programmieren für Kinder leicht gemacht

Als Seymour Papert im Jahre 1967 mit seinem Team die Programmiersprache LOGO entwickelt hat, war er geprägt von dem Gedanken, Kindern und Jugendlichen eine Welt zu eröffnen, die bisher nur sehr wenigen hoch ausgebildeten Spezialisten vertraut war. Dabei ging es ihm weniger um die Ausbildung von zukünftigen Fachkräften, sondern ganz im Sinne von Jean Piaget um die Eröffnung von neuen Möglichkeiten des Lernens mit dem Computer. Genau hier knüpft die Initiative "Code your Life" an und zeigt Kindern wie Erwachsenen gleichermaßen, wie man geschickt und mit viel Spaß in die Welt des Programmierens einsteigen kann. Und das Beste: Alle können sofort mitmachen und selbstständig zu Hause weiterlernen. Turtle Forward 2017 ist genau das richtige Thema für die kommenden kühlen Herbst- und Wintermonate. Thomas Schmidt und Jutta Schneider (Berlin)


Didaktische Konzepte und Entwicklungen vom "NDR-Klein-Computer" aus der Anfangszeit der Mikrocomputer-Didaktik

Im Zentrum des Vortrags stehen die Entstehung des NDR-Klein-Computers, Drehbücher und Konzepte zum didaktischen Einsatz in Schulen. Dabei werden sowohl die Hardwaremethodik, als auch die verwendeten Softwarekonzepte gezeigt: Im Hardwarebereich beginnt alles bei der Spannungsversorgung, dann werden CPU-Baugruppe, Aufbau und Test angesprochen, sowie die Verwendung von Grafikprozessoren und Speichermedien. Eine Erweiterung zu 16-Bit- und 32-Bit-Systemen wird ebenfalls durchgeführt. Im Programmbereich beginnt es bei der einfachen Maschinensprache (NOP-Befehl als Hardware), über Assembler mit grafischen Elementen, sowie höheren Sprachen wie PASCAL, GOSI und anderen, auf die eingegangen und deren Grundprinzipien gezeigt werden, sowie auch der Umgang mit einfachen Betriebssystemen, dann CP/M und auch MS-DOS. Die Unterstützung über TV-Serien und Begleitsendungen, die schließlich im Computer-Magazin "Computer-Treff" des Bayerischen Rundfunks mündeten, wird ebenfalls erläutert. Rolf-Dieter Klein (München)